“In der EU kann jeder zur Förderung der Gewinne eine Europäische Aktiengesellschaft oder eine Europäische wirtschaftliche Interessenvereinigung gründen – zur Förderung des Gemeinwohls kann man sich bisher nicht europäisch verbünden.” – In seinem FAZ-Beitrag vom 29. August 2019 legt der stellvertretende Vorsitzende des Rechtsausschusses des Europäischen Parlaments, Sergey Lagodinsky, den Finger in die Wunde:

EP-Politiker schwärmen gerne von einer grenzüberschreitenden Zivilgesellschaft: Sie sei die Hoffnungsträgerin der europäischen Demokratie, schreibt die Kommission in ihrem neulich veröffentlichten Papier zur Rechtsstaatlichkeit. Doch wenn es um die Europäisierung der Spielregeln geht, behalten sie diese Option exklusiv den erwerbswirtschaftlichen Unternehmen vor. … Wer antidemokratischen Rückschritten in den EU-Mitgliedsstaaten trotzen will, muss die Kapital-Fixierung des deutschen Bundesrates überwinden. Bevor es zu spät ist, brauchen wir ein gesamteuropäisches Vereins- und Gemeinnützigkeitsrecht, ein EU-Regelwerk, das der europäischen Zivilgesellschaft nützt, indem es sie schützt, verbindet und motiviert. … Ein europäischer Vereinsstatus mit klar festgelegten Regeln zu Gründung, Gemeinnützigkeit und Auflösung würde die europäischen Vereine dem Flickenteppich aus nationalen Ungewissheiten entziehen und einem einheitlichen und sicheren europäischen Standard als Schutzschild unterstellen. … Spätestens seit Diskussionen um Akzeptanz und Legitimität der EU bei Bürgerinnen und Bürgern geht es aber auch um mehr als Politik: nicht nur um eine politische Stärkung, sondern auch um eine zivilgesellschaftliche Vernetzung! Die Zusammengehörigkeit der europäischen Bürger ist nur durch ein grenzüberschreitendes Selbstverständnis herzustellen, durch Möglichkeiten also, Vereine und gemeinnützige Organisationen über Grenzen hinweg zu denken und zu gründen.